„Wir haben gezeigt, zu welcher Gemeinschaftsleistung wir in Heidenheim fähig sind“, lobt Ilg das hohe Engagement aller Beteiligten in der Verwaltung und dort vor allem in der Stadtbibliothek und bei den Partnern und Sponsoren. Nach seinen Worten haben aber auch die Heidenheimer und zahlreiche Gäste von außerhalb gezeigt, dass sie sich begeistern lassen. 14.000 Besucher sprechen für sich! Gerade aus dieser Begeisterung heraus sei spätestens nach der ersten Hälfte der Literaturtage der Wunsch an ihn herangetragen worden, eine derartige Veranstaltung zu wiederholen.
Ilg will auf diese Anregungen eingehen. Er setzt dabei nicht aufs Land, das die Literaturtage ohnehin jedes Jahr in eine andere Stadt gibt und abgesehen von einem finanziellen Zuschuss zum Festival selbst so gut wie nichts beigetragen hat. Vielmehr denkt er daran, das Netzwerk aus Co-Veranstaltern, aus Wirtschaft, Handel und Banken und nicht zuletzt aus Literaturfreunden bestehen zu lassen. Ziel einer gemeinsamen Abschluss-Besprechung aller Verantwortlichen müsse es sein, die in zweijähriger Vorbereitung und während des fünfwöchigen Veranstaltungszeitraums geknüpften Kontakte zu festigen.
Ohne diesen Ergebnissen vorgreifen zu wollen, kann sich Ilg daher in zwei oder drei Jahren vorstellen, erneut „seitenweise“ Literatur in einer Veranstaltungsreihe zu bündeln: „Es müssen ja nicht gleich fünf Wochen und 150 Einzelveranstaltungen sein“, fügt er hinzu. Aber dem Wunsch aus der Bevölkerung, über die Freude am Lesen und Zuhören hinaus ein Forum der Begegnung nicht nur mit Autoren, sondern auch mit interessanten Orten und vor allem mit andern Menschen zu haben, will er gern entsprechen und setzt dabei nicht zuletzt auf die erfolgreichen Partnerschaften, die sich im Rahmen der Literaturtage gefunden haben.
Die runde Summe von 14.000 Besuchern umfasst alle Einzelveranstaltungen der Literaturtage. Darin sind die Kinobesucher, die ungezählten Benutzer des öffentlichen Bücherschranks in den Schloss-Arkaden und die Besucher der Ausstellungen im Rathausfoyer und im Kunstmuseum nicht einmal enthalten. Sucht man einen Vergleich mit ähnlich erfolgreichen Literaturtagen, fällt Ilg nur noch Heidelberg ein.
Neue Maßstäbe hat Heidenheim in der Umsetzung des selbst gewählten Themas „Papier“ gesetzt. Angefangen vom Wortspiel „seitenweise“ über die visuelle Umsetzung der Programmhefte und anderen Drucksachen durch Helga Klein von der Agentur „h2a“ und dem spielerischen Umgang mit dem „interaktiven Plakat“ und dem Würfelbausatz für Sitzhocker und Regale bis zu den Papierkostümen des Sporttheaters und zahlreichen themenbezogenen Einzelveranstaltungen hat das Themenkonzept im Laufe der Literaturtage einen sympathischen Eigenwert entfaltet. In Gestalt des „öffentlichen Bücherregals“, das seit 5. November im Foyer des Rathauses aufgebaut ist, wird diese Idee weiterleben. Dafür hat auch das Job-Center seine weitere Unterstützung zugesagt.
Jenseits dieses Werbeerfolgs steht es für Ilg außer Zweifel, dass es in erster Linie das hochkarätige Programm selbst war, das zum Erfolg des Festivals geführt hat. Schon nach wenigen Tagen war in der Stadt zu hören, dass man etwas versäumt, wenn man nicht hingeht. Ganz entscheidend für diese positive Erwartung des Publikums ist die herausragende Eröffnungsveranstaltung mit Dr. Roger Willemsen gewesen. Ebenso überzeugend wirkte nach Ilgs Beobachtung aber auch das „barrierefreie Gesamtkonzept“. Niemand, der sich bisher mit Literatur eher beiläufig befasst habe, musste bei der Spannweite des Angebots fürchten, dass er nicht mitkommen würde.